Montag, 15. Juni 2026

ME/CFS - der ständige Kampf Deiner Zellen und wieso wir uns eigentlich nur nach Frieden sehnen

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Vielleicht liegst Du gerade im Dunkeln, während Du (vielleicht mit ein paar wenigen Pacing-Einheiten, die Dir heute noch bleiben), diesen Text liest. 
Möglicherweise hast Du Noise-Canceling Lautsprecher auf den Ohren, versuchst mit Wärmekissen/pflastern oder Kühlkompressen den ständigen, brennenden, stechenden Schmerz in Deinem Körper zu minimieren. 
Vielleicht hast Du seit Tagen nicht eigenständig gegessen und getrunken und das Größte, was Dir seit ewigen Zeiten gelungen ist, war vielleicht eine kurze Dusche.

Jedes Wort, jede Bewegung, jeder Bissen und jedes Schlucken mag Deinen Körper in die nächste Niederlage zwingen - und DICH damit eben auch.

Vielleicht ist es bei Dir auch glücklicherweise nicht ganz so schlimm und trotzdem weisst Du, dass der nächste Ausflug nach draußen (ob's nun die Parkbank oder das Restaurant ist) Dich tagelang zurück ins Bett oder zumindest die meiste Zeit auf die Couch manövrieren wird.

Möglicherweise hast Du heute eine 1-Liter-Milchtüte zuviel aus dem Einkaufskorb "gehoben" und ergießt Dich  deswegen seit Stunden in brennenden Schmerzen, von denen Du nicht genau weißt, wo sie anfangen und aufhören - so wie ich. Und ich bin mir dabei bewusst, dass es superaffengenial ist, dass ich überhaupt  Milchtüten von A nach B manövieren kann, denn viele andere mit ME können das schlicht und ergreifend oftmals nicht.

ME ist ein ständiger Kampf.  

Nicht nur mit allem, was man zwischen Milchtüten und Sich-im-Bett-Herumdrehen findet, sondern auf allen Ebenen. Unsere Zellen sind im ständigen Kampf gegen etwas, das die Wissenschaft noch nicht genau definieren kann - nach dem momentanen Forschungsstand kämpfen unsere Zellen jedoch nicht (mehr) gegen einen äußeren Eindringling, sondern schlicht und ergreifend gegen sich selbst. Das Immunsystem hat nach der auslösenden Infektion verlernt, den Alarmmodus / Kampfmodus auszuschalten.

Sinnbildlich rennen alle Soldaten weiter wild kreischend auf dem Schlachtfeld herum, ohne dass es noch wirklich etwas zu bekämpfen gäbe - und zerstören sich dabei praktisch selbst. Es ist ein biochemischer Erschöpfungskrieg. 

Und genau so unbarmherzig fühlt es sich auch an. Als würde der Körper ständig in absoluter Aggression gegen sich selbst kämpfen, alles kreischt, ist laut, überreizt und funktioniert nicht mehr.

Wie reagieren wir auf diese Krankheit? 
Wie bei so viele Krankheiten entscheiden wir uns in der Regel, gegen die Krankheit in den Kampf zu ziehen. Wir wollen diese Krankheit in den Allerwertesten treten. Wir wollen diese Krankheit NICHT.

All diese Gefühle sind wichtig, mehr als legitim und menschlich. Aber sie befeuern leider den Kampfmodus in unserem Nerven- und Körpersystem mehr und mehr und bewirken damit unglücklicherweise genau das, was wir nicht wollen: Sie verschlechtern die Erkrankung.

So viele von uns kennen es, dass der Arztmarathon vor der "endgültigen" ME-Diagnose die Krankheit meist deutlich und oftmals leider auch irreversibel verschlechtert hat. 

Wir alle wissen: Das einzige, was wirklich hilft, ist konsequentes Pacing. Konsequente RUHE. Der Versuch, einen äußeren Frieden zu erwirken für unseren im kreischenden, neonlicht-artigen Kampf-Alarmmodus befindlichen Körper. Lichter aus, Geräusche runter, bis zur kleinstmöglichen Reizschwelle, wenn möglich.

Weil unsere Zellen kämpfen und kämpfen und teilweise selbst für die Verarbeitung eines alltagsüblichen Geräusches, Geruchs oder Geschmacks, einer harmlosen Bewegung oder eines ausgesprochenen Wortes kein Energie mehr übrig ist, ohne die wild gewordenen Soldaten nur noch mehr und blinder in den Kampf zu schicken und dabei noch mehr zerstören zu lassen.

Wenn wir jedoch ständig in den Widerstand gegen unseren Zustand gehen (sowas von verständlicherweise!!), passiert auf biologischer Ebene eben genau das. Wir sprechen hier vom Bereich der Psychoneuroimmunologie (und bitte nicht verschrecken lassen, weil hier wieder das vermaledeite Wort *Psyche* vorkommt - es ist ist zutiefest biologischer Zusammenhang.)

 Kurz und knackig erklärt: 

 Unser "Ankämpfen" gegen das ME stimuliert unsere Amygdala (Angstzentrum im Gehirn) ---> sie erkennt Gefahr / Lebensgefahr --> Fight/Flight Modus --> Ausschütten von Stresshormonen -->  Trigger von Entzündungs- und Schmerzbotenstoffen --> es geht uns schlechter

 







Sinnbildlich: Wir stellen uns mit einem kreischenden Orchester und einem Stroboskop auf den Kriegsschauplatz und schreien : "F..K!! Ich will endlich Frieden, deswegen mache ich euch A...l..cher alle kalt, wenn ihr nicht aufhört!" Es ist wohl verständlich, dass die Soldaten nun nicht ihre Waffen sinken lassen und die Yogamatten auspacken, oder?

Auch historisch spirituell-energetisch betrachtet, ist tatsächlich das Kämpfen gegen einen Zustand nicht der geeignete Weg, den ungewünschten Zustand zu beenden und erzielt meist konträre Reaktionen.

Schauen wir zB ins Christentum, gibt es das sogenannte Prinzip, sich vertrauensvoll dem göttlichen Willen hinzugeben. Was NICHT (!) bedeutet, eine Marionette zu werden, sondern zu vertrauen, loszulassen. 

 Es gibt hierzu das wunderschöne Gelassenheitsgebet: 

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ 

Und ob Du nun religiös, spirituell oder atheistisch bist, ist dabei völlig egal. Alleine das Lesen dieser Worte haben das biochemische Potential, den o.g. Kreislauf aus Angst -->  Kampfmodus --> Botenstoffe zumindest sachte abzuschwächen.  

Und genau auf diese Weise erwirkt der Betende auch spirituell die Veränderung. Durch das Loslassen und Hinnehmen. Er atmet praktisch nach langem Luft-Anhalten aus und lässt es fließen. 

Das alles schreibt und liest sich leicht und vielleicht denkst Du gerade (wütend?) PFFFFF! Geht's noch??! 

Ich verstehe Dich!!! 💓

Wie kann man aufhören, gegen etwas so furchtbares zu kämpfen, wenn man um sein altes Leben, sein altes Ich trauert, so viel verloren und so viel zu ertragen hat und kein Licht am Horizont zu sein scheint?

Es ist nicht einfach. 
Es ist so, so anstrengend und ich sage Dir: Es ist kein Allheilmittel, keine Garantie und schon ganz und gar nicht ein Schalter, den Du umlegst und alles ist wieder gut. Es ist nicht die rosa Pille, die mit einmal Runterschlucken alles wieder in Ordnung bringt und keine 5-Minuten-Terrine - es ist ein langer, steiniger Weg.

Mit 2 Schritten vor und 1 zurück, 2 vor und 2 zurück, 3 vor und 2 zurück. Du verstehst, was ich meine?

Aber wenn Du jetzt und hier, ob erschöpft vom Milchtüten-Wrestling oder auch "nur" dem Geschnatter deiner Nachbarn vor deinem leicht geöffneten Fenster oder dem Manöver, Deine Bettdecke 2cm weiter nach oben zu ziehen, kurz in Dich gehst und Dir für einen Moment vorstellst, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn auch nur ein Bruchteil, vielleicht sogar die Hälfte oder ein Dreiviertel dieser kreischenden, brüllenden, um sich schlagenden Soldaten in Dir zur Ruhe käme.... 

Was das Wort 
FRIEDEN 
mit Dir macht, wenn Du Dich, Deinen Geist, Deinen Körper und Deine Seele für den Bruchteil einer Sekunde öffnest. Und Dir vorstellst, den Kampf zu beenden.

Das heißt nicht, Du sollst Deine Hoffnung und Deine Absicht (gesund zu werden) aufgeben! Oh nein - Absicht und Hoffnung sind was ganz anderes als Kampf.

Ich werde in den kommenden Wochen immer wieder Impulse mit Dir teilen, die Dir helfen können, den Soldaten in Dir für ein paar Sekunden eine Verschnaufspause zu geben.

Aber für heute wünsche ich Dir nur dieses eine: Fühl einen Moment in Dich hinein, was der Gedanke an eine Waffenruhe oder sogar FRIEDEN in Dir und in Deinen Zellen, in Deinem Körper und Deinem ganzen Sein mit Dir macht.

Und lass es wirken. Und damit hast Du für Dich, die Milchtüten und alles, was sonst noch so schwierig ist, schon mehr getan als Du vielleicht glaubst.

Versuch es. Öffne Dich dem Frieden, und wenn auch nur eine Sekunde am Tag. Einen Atemzug. Ohne Erwartung an ein Wunder.  

Atme ein. Atme aus. Und geh für einen Moment ganz bewusst von Deinem Schlachtfeld herunter. Und umarme den Frieden.  

 

 

 

 

 

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